Der Werwolf (Christian Morgenstern): Unterschied zwischen den Versionen

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[[Kategorie:Lyrik]]

Version vom 16. Juli 2008, 20:23 Uhr

Der Wemwolf (frei nach Christian Morgenstern)

Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: «Bitte, beuge mich!«

Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seien Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:

«Der Werwolf«, sprach der gute Mann,
«des Weswolf, Genetiv sodann,
dem Wemwolf, Dativ, wie mans nennt,
den Wenwolf, - damit hat's ein End.«

Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
er rollte mit seiner Augen Bälle.
«Indes«, bat er, «füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!«

Der Dorfschulmeister aber musste
gestehn, das er von ihr nichts wusste.
Zwar Wölfe gabs in großer Schar
doch 'wer' gäbs nur im Singular.

Der Wolf erhob sich tränenblind -
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.