Der Werwolf (Christian Morgenstern): Unterschied zwischen den Versionen
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| + | <small>Hinweis: Die gesetzliche Schutzfrist für ein Werk läuft 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers ab - das ist hier gegeben, [[Morgenstern]] darf daher zitiert werden.</small> | ||
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Version vom 20. Juli 2008, 10:59 Uhr
Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: «Bitte, beuge mich!«
Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seien Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:
«Der Werwolf«, sprach der gute Mann,
«des Weswolf, Genitiv sodann,
dem Wemwolf, Dativ, wie mans nennt,
den Wenwolf, - damit hat's ein End.«
Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
er rollte seine Augenbälle.
«Indessen«, bat er, «füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!«
Der Dorfschulmeister aber musste
gestehn, das er von ihr nichts wusste.
Zwar Wölfe gäbs in großer Schar
doch 'wer' gäbs nur im Singular.
Der Wolf erhob sich tränenblind -
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.
Christian Morgenstern: Der Werwolf, 1907/1908
Hinweis: Die gesetzliche Schutzfrist für ein Werk läuft 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers ab - das ist hier gegeben, Morgenstern darf daher zitiert werden.