Dame

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Dame ist ein beschönigender Ausdruck, der Wichtigkeit suggerieren soll, für ein Subjekt aus althergebrachten Zeiten, dessen Daseinszweck es ist, im Schatten eines besseren und höheren Menschen zu stehen, des Herrenmenschens, kurz Herr.

Das Habitat der Dame ist das Haus, weshalb sie gewöhnlich den Titel "des Hauses" führt. Zur Kennzeichnung titelloser Damen, werden diese "Hausdamen" genannt. Die Dame des Hauses organisiert den Haushalt im Hause, wozu sie bisweilen Damen besuchen etwa in Form der AVON-Beraterin, Frauen ihr "zugehen" als Putzfrau oder neue Tupperware präsentieren, und Weiber vorbeikommen, um Klatsch oder Kräuter zu liefern.

Auf dem Schachbrett ist die Dame in strotzender Pseudowichtigkeit präsent. Wichtiger als der Rest des höfischen Inventars ist es ihr vorbehalten, sich erst spät für ihren Herren, den König, zu opfern. Auf dem Silbertablett großer Bühnen und feiner Gesellschaften präsentiert wird die Grand Dame. Das Gegenteil aus der Unterwelt ist die Dame Blanche, die resolute Gattin Hamlets, welche statt zu sinnieren über die Fäulnis Dänemarks eiskalt übergeht zum Putsch ("Coup Danmark").

Alternativ/ergänzend:

Die Dame ist, im Gegensatz zur Stute, dem Statute nach ein höheres Wesen. Sie zeichnet sich durch feinere Manieren, aber auch durch geringere Belastbarkeit aus.

Hingegen ist der Herr im Vergleich zum Hengst ein grobschlächtigeres Wesen, das sich durch Geltungssucht und Machtbesessenheit auszeichnet. Deshalb auch die Wortschöpfung "Herrscher" aus "der Herr schert sich nicht um Manieren".

Dämliche Damen, herrliche Herren?

Man beachte in diesem Zusammenhang die durchaus interessanten sprachlichen Unterschiede und inhaltlichen Bedeutungen von "Herr" und "Dame", "herrlich" und "dämlich", aber auch Mann, Frau, Weib... aufgreifen. Warum heißt es "Herr Müller" und "Frau Müller" und nicht "Mann Müller" oder "Dame Müller"? Der Zufall machte immerhin die Begriffe "männlich" und "weiblich" zum Standard anstelle der nun wirklich unterirdischen Kombination "herrlich" und "dämlich". Aber "die" Dame und und "das" Weib sind oft zwei Rollen ein und derselben Frau, wobei Dame eher ihre repräsentative Rolle betont, in der ihr auch Allüren erlaubt sind, wie den Ehemann warten lassen, wenn er für den Theaterbesuch schon im Auto sitzt und sie noch im Haus vor dem Schminkspiegel. Das Weib hat hingegen die undankbare Rolle des dienstbaren Geistes, der seiner Meinung nach stets sofort verfügbar sein muss. A propos Verfügbarkeit: Für IHN ist die Frau des anderen "meine Dame" und die eigene Frau "mein Weib". Lüstet es dem Mann gar um die Frau des anderen oder gar zusätzlich nach käuflichen Damen, so gilt seine Ehefrau, die seine so weitgehende Allüren mit Haltung auszuhalten vermag, in der Gesellschaft als "Dame von Welt", im Gegensatz zu den käuflichen Damen, den "Halbweltdamen".