Dressurschreiten

aus Kamelopedia, der wüsten Enzyklopädie
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Dressurschreiten ist DER Sport der Kameltreiber. SIE, die sie schon zig wenn nicht hunderte Male die Sahara oder die Wüste Gobi durchschritten haben, nur um eine 20 bis 50 köpfige Kamel-Seilschaft dünauf dünab zu treiben, durch Sandstürme vorbei an Gerippen verdursteter Menschen und Pferde, an zerschossenen Autos geflohener libyscher Potentaten und achtlos liegengelassenen rotkreuzgespendeten Sand-Förmchen der Sarahouis-Kinder, die mangels Feuchtigkeit des Sahara-Sandes bedeutungslos für die Wüsten-Kiddings sind. Kein Wunder, sie können es garnicht fassen, wenn sie in der Oase einmal Satellitenfernsehen sehen können, aus dem dekadenten christlichen Abendland, wo man sogenannten Leistungssport treibt. Ganz furchtbar sind beim Barte des Propheten die Laufwettbewerbe. Selbst beim Geher-Wettkampf kommt es noch darauf an möglichst schnell ins Ziel zu kommen. Beim Weitermarsch durch die Wüste erholen die Kameltreiber sich wieder von dem Schreck, denn da ist alles noch in Allahs gottgewollter Ordnung: ALLE Kamele laufen gleich schnell in der Karawane, und zwar so, dass der Treiber als schwächstes Glied der Kette noch mitkommt. Dabei ist in der Wüste nicht alles Sand. Allein Treibsand benötigt eine ganz andere Gangart als normaler Dünensand, aber Schotterwüste, Felswüste, und noch manche andere Überraschung begegnen einem mitten in der Wüste, die an der Küste und am Nil doch eigentlich aussieht, als wäre sie überall rotbrauner Sand. Also muss überall fachmännisch ein Fuß vor den anderen gesetzt werden. Wieviel einfacher haben es da die Kamele - mit ihren grobschlächtigen platten Quadrathufen kommen sie überall durch. Das brachte am 23. Oktober 1968, als gerade die olympischen Spiele aus Mexico übertragen wurden in die Allaouakbar-Oase, die dort versammelten Kameltreiber auf die glorreiche Idee, einen Laufsport zu veranstalten, bei dem es nicht auf völlig verrückte aus Zieleinlauffotos mutig herausinterpretierte alternativ faktische Hundertstel-Sekunde Vorsprung ankommt, sondern auf die Schönheit der Schritte. Das war die Geburtsstunde des Dressurschreitens.